Agile Organisationsentwicklung im New Normal - Im Gespräch mit Birgit Mallow

Wie kann man am besten mit neuen Herausforderungen und disruptiven Änderungen umgehen und seine Organisation bestmöglich daran ausrichten? Darüber haben wir mit Birgit Mallow gesprochen. Sie ist Organisationsentwicklerin und Agile Coachin. Thema des Gesprächs bei unserem #hrtalk war die Agile Organisationsentwicklung im New Normal und Empfehlungen für die Unternehmen, wie bestmöglich in dieser Situation zu agieren ist. Denn durch die aktuelle Situation ist nicht nur virtuelles Zusammenarbeiten, andere Rahmenbedingungen und Home Office zur Normalität geworden, sondern auch die Dringlichkeit der Digitalisierung.

Wie muss die Organisationsentwicklung in diese neue Zeit übersetzt werden?

Bereits bekannte Themen werden auch hier nun dringlicher, die technische Entwicklung wird schneller und es braucht Digitalisierung und Innovation. Man muss immer anpassungsfähiger werden und dies auch in Zukunft bleiben. Dafür braucht es auch Mut, damit kann man große Veränderungen in kurzer Zeit bewältigen. Und eine Frage bleibt: Wie kann man das Unternehmen so gestalten, dass man auch ein attraktiver Arbeitgeber im Alltag sein kann, nicht nur beim Employer Branding.

Die aktuelle Situation in den Unternehmen ist sehr unterschiedlich und meist abhängig von der Branche oder dem jeweiligen Geschäftsmodell. Hier gibt es sehr anpassungsfähige Beispiele, aber auch ganz andere. Allgemein muss in diesem Bereich aber die Geschwindigkeit zunehmen und einerseits müssen Unternehmen anpassungsfähig gestaltet werden, aber auch die Organisationsentwicklung selbst muss viel flexibler arbeiten. Birgit Mallow erkennt einen Shift hin zu moderner Organisationsentwicklung. Es soll mehr Nutzen gestiftet werden, agiles Arbeiten wird eingesetzt und auch New Work. Wenn es früher eher Wohlfühlprogramme gab, welche auch zum Teil die Wertschöpfung behindert haben, merkt man jetzt einen Wandel. Diesen muss jeder für sich definieren und Methoden sind nicht das entscheidende. Der interne & stabile Rahmen, in dem man gut arbeiten kann, muss aber geschaffen werden. Auch die Organisationsentwicklung arbeitet immer mehr mit agilen Prinzipien. Es gibt einen stärkeren Fokus auf die Veränderung und die Befähigung aller Mitarbeiter die Entwicklung in kleinen Schritten selbst zu machen. Hier darf es natürlich nicht zu Verwirrung und Selbstverwaltung kommen, aber mit den richtigen Instrumenten an der Hand kann man kleine Schritte gehen und stetige Anpassungen einbringen.

Den Organisationsentwicklern muss eine neue Rolle zugestanden werden und zwar als Mitgestalter und auch Begleiter. In diesem Bereich gibt es auch gute methodische Ansätze wie Canvas und agile Organisationsentwicklung nach Bernd Oestereich & Claudia Schröder.

Rolle der Organisationsentwickler & Entscheidungen

Die Veränderung braucht Prozesse über einen langen Zeitraum. Man sollte immer mit den Fragen starten: Wozu wollen wir Veränderungen? Was wollen wir tatsächlich erreichen? Es reicht nicht aus zu sagen, man möchte agile Teams. Vielmehr sollte sich die Führung und das Top Management überlegen, was man möchte, was die Organisation braucht und danach zu reflektieren, die Idee intern vorzustellen und zu diskutieren. Die Beteiligten Gruppen sollten involviert werden und ermächtigt werden. Also methodische Impulse von außen liefern und das richtige Werkzeug an die Hand geben, aber keine Selbstüberlassung und Orientierungslosigkeit verursachen. Durch Experimente kann man vieles ausprobieren, aber es braucht auch Thesen, an denen die Veränderung bemerkt werden kann.

Entscheidungen werden nicht nur aus bisherigen Erfahrungen getroffen. Viel besser ist eine Mischung aus Kopf- und Bauchentscheidungen. Man sollte immer beide Seiten miteinbeziehen und sich auf Wissen und Zahlen verlassen, in den Bereichen, in denen es klappt. Ausprobieren und auf das Bauchgefühl hören gehört aber gleicherweise hinzu. Hier sollte man nicht schwarz oder weiß sehen, sondern den richtigen Mix finden. Zahlen alleine ohne jeglichen Kontext sind wenig aussagekräftig, man sollte sich daher immer die Relation ansehen. Viele Manager merken auch hier, dass sie mit ihrem bisherigen Handeln erfolgreich gefahren sind, aber die bisherigen Erfahrungen nicht immer die Lösung der aktuellen Probleme sind. Hier braucht es auch einen Wandel hin zu neuen Methoden.

Um nicht chaotische Wege einzuschlagen braucht es gewissen Rahmenrichtlinien. Selbstorganisation wird oft falsch verstanden, denn auch hier ist es gut mit einem Rahmen zu beginnen und diesen an gewissen Stellen zu öffnen. Hier hilft eine Prozessampel die definiert, wo Prozesse nicht verhandelbar sind, aber auch andere festlegt, wo Freiraum für die Mitarbeitenden gewährt werden kann. Man muss also eine gewisse Orientierung geben und einen methodischen Rahmen um damit Erfolg zu generieren.

Praktische Tipps für einen agilen Ansatz in der Organisationsentwicklung

Zu Ende das Gesprächs hat Birgit Mallow einige nützliche Tipps für den agilen Ansatz mitgegeben:

  • Man sollte sich immer die Frage stellen: Wozu? Für Veränderungen ist es wichtig bei jedem Schritt zu wissen was man wirklich erreichen möchte.
  • Die Organisationsentwicklung sollte in kleinen Schritten gestaltet ohne komplizierte Ansätze gestartet werden.
  • Pragmatische Lösungen, kein Dogmatismus: Es müssen Probleme gelöst und zur Wertschöpfung beigetragen werden.
  • New Normal bedeutet konstante Veränderungen und Anpassungen daran, dies muss verkraftbar sein.
  • Auf alle Mitarbeiter und die verschiedenen Belangen achten.

Hier gibt es das ganze Gespräch mit Birgit Mallow auch nochmals zum Nachschauen:

Und natürlich geht es in den nächsten Wochen spannend weiter mit neuen Themen, Talks und Gästen: Zu den nächsten Terminen.

(Bild von Gerd Altmann auf Pixabay)

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