Henrik Zaborowski: Beim Recruiting braucht es individuellere Kommunikation – mit mehr Fragen und mehr Zuhören.

In Zeiten der Digitalisierung muss die Personalgewinnung (aka das Recruiting) neu gedacht werden. Denn laut einer aktuellen Studie des Instituts für Competitive Recruiting (ICR) haben rund 95% Prozent der Unternehmen in Deutschland Schwierigkeiten, ausgeschriebene Stellen zu besetzen. Die Candidate Experience – also das Erlebnis der Kandidaten entlang des Bewerbungs- und Onboardingprozesses ist nun wichtiger denn je. Wie hier Abhilfe geschaffen werden kann, erklärt uns Henrik Zaborowski beim diesjährigen Recruiting FORUM.

Als Redner und Recruitingexperte inspiriert Henrik Zaborowski zum notwendigen Menschenbild in der heutigen Arbeitswelt. Zu seinen Spezialgebieten gehören Recruiting, Active Sourcing, Employer Branding & Recruiting Marketing Kampagnen. 

(1) Herr  Zaborowski – Recruiting-Experte Henrik Zaborowski im Interview Sie sprechen beim Recruiting FORUM über die neuen Ansätze für mehr Kandidatenbegeisterung und digitalere Recruiting-Prozesse. Mit welchen drei Schlagworten können wir Ihren Vortrag auszeichnen?

Menschlichkeit, Resonanz, Barrierefreiheit

(2) Was ist an den heutigen Recruiting-Ansätzen nicht ausreichend?

Einiges. Zum Einen sind sie zu statisch und unflexibel. Der „one size fits all“ Ansatz, mit dem ich jede Zielgruppe gleich ansprechen und gewinnen will, funktioniert nicht mehr. Ich muss individueller schauen, wo ich die Talente finden und wie ich sie für mich gewinnen kann. Es ist nicht jeder gleich.
Zum Anderen gehen Arbeitgeber immer noch zu stark von sich aus. „Wir sind die tollsten, besten, schönsten“ ist sehr subjektiv. Auch hier gilt: Was von dem „wir sind“ ist für meine Zielgruppe interessant?

(3) Was sind für Sie die Ansatzpunkte um diesen Problemen Abhilfe zu schaffen?

Wir müssen individueller in der Kommunikation werden, mehr fragen, mehr zuhören, klarer sagen was wir als Arbeitgeber können und sind – und was nicht. Die Kontakte müssen informeller werden. Den Menschen wirklich mal in den Mittelpunkt zu stellen (und es nicht immer nur zu sagen) wäre heutzutage mal ein guter Anfang 😉

(4) Sprich, es geht weniger um die technische Erneuerung des Recruiting-Ansatzes, sondern vielmehr um die Erneuerung des Verständnisses der Personalgewinnung?

Genau so ist es. Technik hilft uns nur bedingt weiter. Sie bietet vor allem die Illusion, modern zu sein. Aber Technik hilft nicht, wenn das Mindset der handelnden Personen in den Fachbereichen nicht nachzieht. Und da sehe ich noch viel Aufholbedarf.

(5) Was ist der zentrale Bestandteil des neuen “Recruiting Mindsets”, den Sie fordern?

Weniger glauben und interpretieren, mehr fragen. Wir müssen mit den Menschen reden, die sich bei uns bewerben. Und dann kluge, zielführende Fragen stellen. Und wir müssen uns von dem Glauben an die Erfolgsformel verabschieden. Vergangener Erfolg garantiert keinen zukünftigen Erfolg, genauso wie vergangener Mißerfolg nicht zukünftig zum Mißerfolg führen muss. Wir müssen den Menschen die Chance geben, das zu entwickeln, was noch in ihnen ist. Und das geht nur über eine gute Eignungsdiagnostik und dann die Möglichkeit, den Job zu machen und sich dabei zu entwickeln.

(6) Damit kommt man aber in der Umsetzung auch zu mehr Kundenbegeisterung und in der technologischen Umsetzung auch zu digitaleren Prozessen – oder nicht?

Zu mehr Kundenbegeisterung auf jeden Fall. Bewerber freuen sich wie Bolle, wenn sie von Arbeitgebern mal angerufen werden, weil es noch eine offene Frage gibt. Früher wurde ihnen dann gleich abgesagt. Ob wir zu digitaleren Prozessen kommen, das sehe ich ehrlich gesagt nicht ganz so. Die Art der Kommunikation ändert sich. Das ist vielleicht die größte Änderung zu früher.

(7) Wo stehen die Unternehmen bei der Thematik und was ist Ihre Prognose für die weitere Entwicklung zu einem diesbezüglichen Umdenken?

Viele Unternehmen haben es schon verstanden, zumindest die HR Abteilungen. Bei den Fachbereichen ist das noch so eine Sache, die hängen oft noch 5 Jahre hinterher, weil sie sich zu wenig mit dem Thema beschäftigen. Aber auf alle Arbeitgeber in Deutschland bezogen hängt die große Mehrheit glaube ich noch in den „guten alten Zeiten“ fest und verändert sich nur wenig.

(8) Mit welchen Fragestellungen & Themen kommen Sie zum Event? 

Kann Technologie wirklich einen entscheidenden Mehrwert im Recruiting bieten? Oder verlassen wir uns hier auf eine Krücke?

(9) Was sind Ihre Erwartungen?

Ich erwarte inspirierende Vorträge und Praxisbeispiele, die mir einen Einblick geben, wie andere Unternehmen Recruiting erfolgreich umsetzen. Und natürlich viele tolle Gespräche mit mir bekannten und noch unbekannten Menschen.

Vielen Dank für Ihre Antworten!

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Marta Medvedec

Marta Medvedec

Marta Medvedec ist für das Content Marketing Management bei Kongress Media zuständig und unterstützt diese bei der inhaltlichen Ausgestaltung der verschiedenen Fachblogs rund um die Themen & Events zur Digitalisierung & digitalen Transformation.

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