Charlotte von Riess (Deutsche Bahn): Es gilt, die bestmögliche Candidate Journey abzuliefern und den Kandidaten bei allen Aktivitäten in den Fokus zu rücken

Beim Recruiting FORUM 2019 geben Recruiting Experten und Praxisverantwortliche Empfehlungen für eine bessere Auffindbarkeit sowie für proaktives Handeln in der Kandidatenansprache. Auch Teamleiterin Active Sourcing bei der Deutschen Bahn, Charlotte von Riess, wird ihre Erfahrungen mit dem langfristigen Beziehungsaufbau zu Kandidaten in einem Fachvortrag am 5. Dezember in München teilen – denn die Suche nach IT-Profis und Bau- bzw. Elektroingenieuren ist ihre Leidenschaft.

Wir haben mit Charlotte von Riess gesprochen und sie gefragt, worauf es für sie beim Active Sourcing in 2019/20 ankommt:

(1) Charlotte, Du sprichst beim Recruiting FORUM über Deine Erfahrungen im Bereich des „Active Sourcing“ bei der Deutschen Bahn. Mit welchen drei Schlagworten können wir Deinen Vortrag belegen?

Am besten mit Innovation, Nachhaltigkeit und Neugierde! Innovation, weil wir immer wieder auf der Suche nach neuen Trends sind, um Kandidatinnen und Kandidaten für die Bahn zu begeistern. Nachhaltigkeit, weil wir keinen Moden folgen und keine Eintagsfliegen generieren, sondern langfristig denken. Und Neugierde, weil die Kandidaten im Mittelpunkt stehen, wir interessieren uns für sie und welche Tätigkeiten sie bei uns ausführen möchten.

(2) Woraus begründet sich für Dich die Notwendigkeit nach einer proaktiven Kandidatenansprache (Active Sourcing)?

Wir suchen allein dieses Jahr über 22.000 neue Mitarbeiter für die Deutsche Bahn, gleichzeitig wird der Arbeitsmarkt immer enger, der Wettbewerb um Personal härter. Um erfolgreich zu rekrutieren, müssen wir uns also anstrengen, wir müssen innovativ sein und wir müssen alle Kanäle nutzen. Active Sourcing ist da einfach ein Teil der Palette. Wir durchforsten Karrierenetzwerke wie Xing oder LinkedIn, die von uns identifizierten Kandidaten überraschen und überzeugen wir durch individuelle Ansprachen und schlagen ihnen Stellen vor, welche zu ihnen passen.

(3) Worauf kommt es für Dich beim Active Sourcing in 2019/20 an?

Es gilt, die bestmögliche Candidate Journey abzuliefern, das heißt, den Kandidaten bei allen Aktivtäten in den Fokus rücken. Smarte Tools sind hier eine enorme Hilfe.

(4) Bei einer Einstellungszahl von über 20.000 Mitarbeitern im Jahr – wie ist da das Active Sourcing zu organisieren, damit das geleistet werden kann? Insbesondere wenn der Anspruch besteht, jeden einzelnen interessanten Kandidaten individuell ansprechen zu können?

Wir sind nach Zielgruppen aufgestellt: IT’ler, Ingenieure, kaufmännische Akademiker und Fachkräfte. Jeder Sourcer ist Experte für seine Zielgruppe und hat sich eine starke Pipeline aufgebaut. 57 Prozent der beauftragten Sourcingstellen werden aus dem bestehenden Netzwerk der Sourcer besetzt. Wir werden in der Regel von den Recruitern für „die Perlen“ – die besonders schwierigen Stellen – beauftragt und suchen dann mit viel Passion nach der „Nadel im Heuhaufen“.

(5) Die Erst-Ansprache ist das eine, aber nicht jede Erst-Ansprache führt auch zur direkten Einstellung. Wie lässt sich dann weiter mit dieser Vielzahl von Personen der Kontakt halten? Das muss dann doch informationstechnisch effektiv unterstützt werden – sonst geht man da doch verloren, oder?

Wir haben ein starkes Recruitingsystem, das uns unterstützt. Der Schlüssel ist hier, dass jeder Sourcer individuell mit kleinen, aber wirksamen Gesten in seinem Netzwerk am Ball bleibt. Hier ist Kommunikation und Transparenz für den Kandidaten wichtig, so dass dieser weiß, wann und wo er oder sie sich gerade im Prozess befindet und mit welcher Person er oder sie im Austausch ist.

(6) Was ist Dein Ausblick? Wo geht die Reise hin?

Den grundsätzlichen Trend, den ich im Recruiting sehe, ist, dass wir immer enger mit den Hiring Managern zusammenarbeiten werden. Wir unterstützen schon heute mit Social Media Trainings unsere Führungskräfte, dass auch sie die sozialen Medien für die Vermarktung ihrer Stelle nutzen. Weiterhin wird der Bereich Talent Acquisition sich immer mehr zum strategischen Partner der Geschäfte entwickeln, da wir mit Marktkenntnis zu Standort- und Profilentscheidungen beitragen können. Wir werden immer mehr für Kandidatenpools sourcen, da viele Kandidaten nicht sofort verfügbar sind und wir sie durch smarte Tools an uns binden.

(7) Mit welchen Themen und Fragestellungen kommst Du zum Recruiting FORUM?

Ich bin auf der Suche nach den neuesten Trends, den innovativsten Entwicklungen und den intelligentesten Technologien.

(8) Welche Erwartungen hast Du an die Veranstaltung?

Ich möchte mich mit vielen spannenden Leuten vernetzen und über die neuesten Themen im Recruiting austauschen.

Vielen Dank für Deine Antworten!

Lesen Sie auch unser Interview mit Personalreferentin, Wiebke Bogner: Die Professionalisierung und Digitalisierung im Recrutiting bleibt ein aktuelles Thema. 

 

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Marta Medvedec

Marta Medvedec

Marta Medvedec ist für das Content Marketing Management bei Kongress Media zuständig und unterstützt diese bei der inhaltlichen Ausgestaltung der verschiedenen Fachblogs rund um die Themen & Events zur Digitalisierung & digitalen Transformation.

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