Die Employee Experience ist tot – lang lebe die Employee Experience

Man mag uns verrückt erklären – denn erst vor zwei Tagen haben wir das Thema „Employee Experience“ als ein Baustein der „Digital HR Management“-Ausrichtung hochleben lassen. Nun soll es schon wieder am Ende sein? Den Trend zur „Erosion of Employee Experience“ sieht zumindest unser Keynote-Speaker und HR Trend Analyst Tom Haak in seiner Trend-Liste für 2019. Und das wirft natürlich Fragen auf!

Die Abnutzung der „Employee Experience“-Idee als Folge des Hypes

Die Employee Experience ist nun seit ein paar Jahren die „Wunderwaffe“ für die Lösung der HR-Probleme. Im Mittelpunkt steht dabei immer wieder die Lösung des „Dis-Engagement“-Problems auf Seiten der Mitarbeiter, welches von den Deloitte Analysten als wesentliches Zukunftsproblem der Unternehmen gesehen wird. Der „Employee Experience“-Ansatz zielt dabei im Wesentlichen auf die Optimierung der „Employee Journey“ (sprich der Optimierung der Interaktionsphasen zwischen Mitarbeiter und Unternehmen – vom Recruiting und das Onboarding, über die Betreuung des Mitarbeiters während seines „Employee Lifecycles“ im Unternehmen und seiner Teilhabe am Unternehmen bis zu seinem „Exit“) und der Kreation von möglichst vielen positiven Erlebnismomenten entlang dieser Phasen (auf verschiedenen Ebenen – kulturell, organisatorisch, gestalterisch in Bezug auf den Arbeitsplatz und die Prozesse).

Das zugrundeliegende Problem des „Dis-Engagements“ hat natürlich vielfältige Ursachen auf verschiedenen Ebenen, die mitunter nicht nur durch eine bessere „Employee Experience“ gelöst werden kann. Ferner ist der „Employee Experience“-Ansatz nach Tom Haak auch ein sehr aufgeblasenes „Berater-Framework“ – anhand dem sich Alles und Nichts rechtfertigen lässt.

In einem aktuellen Beitrag legt er nochmals nach – warum er nun die „Erosion“ (Abnutzung) der „Employee Experience“-Idee sieht:

  1. Too much a top-down approach
  2. Who likes to travel on an endless one-way road?
  3. Let’s not mollycoddle our employees

Wie bei allen spannenden Trends sehen wir die Kritik von Tom als natürliche Folge von überlebten Trendphänomenen, die dann doch in der Breite „hochgelobt“ werden und im Detail zu oft falsch angegangen werden.

Auch gilt natürlich – dass im Englischen „Experience“ immer zwei Bedeutungen hat – „Erlebnis“ und „Erfahrung“. Dies ist schon bei der Diskussion der „Customer Experience“ ein Problem und überträgt sich auch auf die interne Sicht bzw. Anwendung. Denn damit sprechen wir immer von „zwei Seiten einer Medaille“ – das ermöglichte „Erlebnis“, dass eine „Erfahrung“ (positiv oder negativ) auslöst.

Mehr Fokus auf Employee und erst dann auf Experience

Liest man die Trendprognosen von Tom Haak dann noch einmal bis zum Ende – so kommt man zum Punkt: „HR is about People„. Und damit zu dem Punkt, der in dem Hype um die „Employee Experience“ und die „Employee Journey“ doch wieder vielzuoft vernachlässigt wird. Wie auch in der „Customer Experience“-Bewegung versuchen allzu vielen Projekt mit neuen „Erlebnis“-Maßnahmen den Kunden oder – bei der „Employee Experience“ – den Mitarbeiter für die Erfüllung ihrer Zielsetzungen zu beeinflussen bzw. – negativ gesprochen – zu manipulieren.

Und da konterkarieren natürlich diese Ansätze komplett die Idee, die dahinter steht. Nämlich den Bezugspunkt (Kunden oder Mitarbeiter) wieder in den Mittelpunkt des Unternehmens zu stellen und von diesem her zu denken und zu agieren!

Es braucht also wieder einmal mehr die Refokussierung auf die Mitarbeiter – gemäß den ebenfalls hochgelobten Zitaten von Sir Richard Branson:

Employee Experience für Digital HR Management zentrales Element

Vor diesem Hintergrund bleiben wir auch bei der Aussage, dass die „Employee Experience“ ein zentrales Element auf dem Weg zu einem „Digital HR Management“ ist. Den bei der Digitalisierung der HR Funktion sowie auch der Unterstützung der allgemeinen Transformationsanstrengungen im Unternehmen durch HR muss der Mitarbeiter einmal mehr im Mittelpunkt stehen.

Auch aus psychologischer Sicht kann nur wiederholt werden, dass positive Erlebnismomente sowohl Freude wie auch Bestätigung und damit Motivation für weiteres Engagement mit sich bringen. Der Fokus auf einer ganzheitlichen Employee Experience (mit der Mitarbeiterorientierung im Mittelpunkt und einer sowohl die kulturellen, organisatorischen als auch Arbeitsplatz-orientierten Ausgestaltung) ist somit Dreh- und Angelpunkt für die digitale Transformation.


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